Wollreste sortieren, lagern & verbinden: So wird aus Restegarn ein echtes System
Du häkelst regelmäßig – also hast du sie ganz sicher: kleine und große Wollreste. Und ja, man kann daraus super viel häkeln (Ideen dafür findest du hier: Wollreste sinnvoll verwerten).
Aber bevor du das nächste Resteknäuel frustriert in eine Kiste stopfst, kommt hier der Teil, der wirklich den Unterschied macht: ein simples System zum Sortieren, Lagern und Verbinden. Damit findest du schneller passende Reste, kombinierst Garne ohne Stress – und deine Projekte sehen am Ende deutlich „geplanter“ aus, selbst wenn sie aus Resten entstehen.

Warum ein Restegarn-System so viel bringt
Wollreste werden oft nicht genutzt, weil:
- du nicht weißt, wie viel noch da ist,
- die Knäuel verknotet sind,
- du nicht einschätzen kannst, ob Garne zusammenpassen,
- du beim Verbinden genervt bist.
Das Gute: Du brauchst keine perfekte Ordnung und kein Pinterest-Regal. Ein bisschen Struktur reicht, damit aus „Wollchaos“ wieder „Wollschatz“ wird.
Schritt 1: Wollreste schnell kategorisieren (ohne Perfektion)
Du musst daraus keine Wissenschaft machen. Drei Kategorien reichen völlig aus:
1) Mini-Reste (unter ca. 5 g)
Perfekt für Akzente, Augen/Nasen, Stickdetails, kleine Applikationen.
Aufbewahrung: Schraubglas * / Dosen * / Zip-Beutel *
2) Kleine Reste (ca. 5–20 g)
Ideal für Streifen, Kanten, kleine Motive, Granny-Elemente.
Aufbewahrung: kleine Projektbeutel *, größere, durchsichtige Aufbewahungskisten * oder ein einfacher Schuhkarton
3) Große Reste (ab ca. 20–30 g)
Hier lohnt es sich, bewusst zu sammeln: oft reicht es schon für ein Mini-Projekt oder ein größeres Teil in Kombination.
Aufbewahrung: größere Aufbewahrungsboxen *, Trennwände, Regaleinsätze
Extra Tipp: Mit einem Etikettendrucker * oder einem Zettel + Klebeband kannst du dann wunderbar deine Aufbewahrungen beschriften, welches Garn darin enthalten ist, welche Farben, Garnstärke etc.
Schritt 2: Restegarn richtig lagern (damit es nicht nervt)
Viele Restekisten scheitern nicht an der Menge, sondern daran, dass man beim Öffnen sofort die Lust verliert. Fäden hängen überall, Knäuel ziehen sich gegenseitig auf – und am Ende bleibt die Kiste zu. Genau das lässt sich vermeiden.
Aufbewahrungsboxen – oder ganz einfache (Schuh-)Kartons
Du brauchst kein teures System, um Ordnung reinzubringen.
Option A: Aufbewahrungsboxen (transparent ist ideal)
- du siehst sofort, was drin ist
- stapelbar
- schützt vor Staub und Tierhaaren
Option B: Schuhkartons oder stabile Kartons
- kostenlos oder extrem günstig
- perfekt, um verschiedene Kategorien auszuprobieren
- lassen sich leicht beschriften und stapeln
Knoten vermeiden: Wollreste neu wickeln
Lose in eine Box geworfene Reste werden fast immer zu Wollspaghetti. Und genau hier entsteht Frust.
Lösung: kleine Knäuel oder Cakes wickeln – ganz unkompliziert.
- von Hand wickeln (für wenig Reste absolut ausreichend)
Viele klemmen den Anfangsfaden einfach mit einer Haarspange * oder einem kleinen Clip fest. So rutscht nichts weg, und du kannst sauber wickeln, ohne dass sich alles wieder löst. - mit Garnwickler * (wenn du viele Reste hast oder regelmäßig sortierst)
Diese kleine Gewohnheit spart dir später enorm viel Zeit – und Nerven.
Motten & Staub: Naturfasern richtig schützen
Wenn du Wolle, Merino oder Alpaka lagerst, gilt: lieber geschlossen als offen. Boxen mit Deckel oder gut schließende Kartons reichen völlig aus. Optional kannst du Zedernholz * oder Lavendel * dazulegen – angenehm, aber kein Muss.
Schritt 3: „Welche Garne passen zusammen?“ – der einfache Check
Viele Wollreste bleiben liegen, weil man unsicher ist, ob sie zusammenpassen. Der einfachste Weg, das zu vermeiden: schon beim Lagern vorsortieren.
Materialien getrennt aufbewahren
Lagere unterschiedliche Materialien möglichst separat:
- Baumwolle (Topflappen, Spültücher, Deko)
- Wolle/Merino/Alpaka (wärmend, weich, ideal für Kleidung)
- Acryl/Mischgarne (pflegeleicht, gut für Decken und Deko)
So verhinderst du, dass du später Garne kombinierst, die sich komplett unterschiedlich anfühlen oder verhalten.
Notizzettel in der Aufbewahrung – klein, aber extrem hilfreich
Wenn keine Banderole mehr da ist:
- kleiner Notizzettel * in der Box (Material, geschätzte Nadelstärke, Restgröße)
- oder ein Papierstreifen direkt ums Garn, kurz beschriftet
Das erspart dir späteres Rätselraten und macht Resteverwertung viel entspannter.
Der schnelle Kompatibilitäts-Check
Wenn Material passt, reichen diese drei Tests:
1) Garnstärke-Test
Zwei Fäden parallel halten:
- wirken sie gleich dick → passt meist
- stark unterschiedlich → nur als Akzent oder doppelt nehmen
2) Griff-Test
Zwischen den Fingern reiben:
- ähnliches Gefühl → gut
- komplett unterschiedlich → lieber trennen
3) Mini-Maschenprobe
10–15 feste Maschen nebeneinander häkeln. Weichen Größe und Höhe stark ab, lieber neu kombinieren.
Schritt 4: Restegarn verbinden – 5 bewährte Methoden
Methode A: Mitlaufen lassen & vernähen
Gut für: Baumwolle, Deko
Pro: stabil, sauber
Contra: etwas Vernäharbeit
Methode B: Magic Knot
Gut für: Acryl, wenig belastete Projekte
Achtung: immer testen
Methode C: Russian Join
Gut für: Wolle/Mischgarne
Pro: kaum sichtbar
Contra: etwas Übung nötig
Methode D: Filzen
Nur für: 100 % Wolle
Pro: extrem haltbar
Methode E: Farbwechsel bewusst planen
Wechsel an Seiten, Rückseiten oder unter Applikationen setzen – wirkt sofort „professioneller“.
Schritt 5: Wie viel Garn ist „genug“? – grobe Orientierung
- Mini-Details: 1–5 g
- Kanten/Applikationen: 5–15 g
- Granny/Untersetzer: 10–25 g
- Streifen im Projekt: 20–50 g
Eine kleine Digitalwaage * nimmt viel Unsicherheit.
Restegarn-Projekte, die besonders gut funktionieren
- Streifenprojekte
- Patchwork/Module
- Umrandungen
- kleine Zwischendurch-Projekte
Ideen dazu findest du gesammelt im Beitrag „Wollreste sinnvoll verwerten“.
Fazit
Resteverwertung scheitert selten an fehlenden Ideen – sondern an fehlender Übersicht. Wenn du deine Wollreste sortierst, unkompliziert lagerst (ja, auch im Schuhkarton) und sie sauber wickelst, werden sie wieder ein kreativer Vorrat. Und genau dann macht Häkeln mit Resten richtig Spaß.
